Das war die Woche der Medienkompetenz 2019 – Interview mit Christoph Kaindel

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„Weil wir beinahe unser gesamtes Wissen über die Welt aus Medien beziehen, ist die Bewertung von Informationen eine ganz entscheidende Kompetenz.“

Christoph Kaindel, der Koordinator der Woche der Medienkompetenz, hat gern Weitblick.
Foto: Christoph Kaindel

Lisa Badura: Ein beachtliches Programm hat die „Woche der Medienkompetenz“ heuer wieder zustande gebracht: Über 130 Aktivitäten wurden von Schulen und Universitäten, vom ORF und anderen Institutionen bundesweit initiiert und angeboten. Hat dich etwas besonders gefreut?

Christoph Kaindel: Ich habe mich in diesem Jahr besonders über die tatkräftige Unterstützung durch den oberösterreichischen Presseklub gefreut. Die haben sich wirklich ins Zeug gelegt und viele Angebote organisiert. Einige Zeitungen haben ihre Redaktionen für Schulklassen geöffnet, dazu gab es Führungen im ORF-Landesstudio in Linz und beim Regionalsender LT1.

Du selbst warst bei vielen Veranstaltungen vor Ort. Was waren deine persönlichen Highlights?

Du weißt ja, dass ich mich sehr für Spiele im Bildungskontext interessiere. Darum war ein Highlight für mich ein Workshop an der PH Wien, wo das Projekt GIRAT – Game Informed Recruitment and Assessment Tool – vorgestellt wurde, derzeit in der Pilotphase. Da geht es darum, wie Kompetenzen von Jugendlichen durch das gemeinsame Spielen ausgesuchter Games sichtbar gemacht werden können, zur Selbsteinschätzung, bei Jobmessen oder in Bewerbungsverfahren. Wir haben zwei Spiele, Keep Talking and Nobody Explodes und Spelunky, gespielt und danach über unsere Erfahrungen diskutiert. Sehr interessant, welche Eigenschaften durch gemeinsames Spielen zum Vorschein kommen, vor allem in den Bereichen Kommunikation und Kollaboration.

Thomas Kunze erläutert das Konzept von GIRAT – Game Informed Recruitment and Assessment Tool
Foto: Christoph Kaindel

Spannend fand ich auch eine „Public Value Lecture” an der FH Wien der WKW für Studierende des Studienzweiges Journalismus und Medienwissenschaft. Dort war am 21. Oktober Stefan Kappacher, Leiter des Medienmagazins #doublecheck auf Ö1, zu Gast. Er hat sehr offen und anschaulich über den Recherche-Alltag und die Qualitätssicherung in einem Radiosender erzählt, wie auch über die mögliche zukünftige Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Übrigens: Das Public Value Kompetenzzentrum des ORF ist meiner Ansicht nach noch zu wenig bekannt. Dort macht man sich Gedanken genau darüber, wie der ORF, der ja als großes Unternehmen einerseits etwas träge und andererseits durch gesetzliche Bestimmungen reguliert ist, auf Veränderungen in der Medienlandschaft reagieren kann und soll. Auf der Webseite sind viele Studien, Materialien und Videos zu finden, die zum Teil auch für den Unterricht geeignet sind. Hineinzuschauen lohnt sich, auf zukunft.orf.at.

Konrad Mitschka (li.) vom Public Value Kompetenzzentrum des ORF
im Gespräch mit Stefan Kappacher
Foto: Christoph Kaindel

Ob Cybermobbing, Fake News, Gaming, Propaganda im Film oder die Aufbereitung von Nachrichten – so unterschiedlich die teilnehmenden Institutionen waren, so unterschiedlich waren auch die methodischen Zugänge und Themengebiete. Welche Themen siehst du persönlich momentan als besonders dringlich im Schulkontext an? 

Ich halte tatsächlich den Themenkomplex Fake News/Propaganda derzeit für den wichtigsten. Weil wir beinahe unser gesamtes Wissen über die Welt aus Medien beziehen, ist die Bewertung von Informationen eine ganz entscheidende Kompetenz. In vielen europäischen Staaten ist es schwierig geworden sich Zugang zu unabhängigen Nachrichten zu verschaffen. Auch in Österreich wurde versucht, die Berichterstattung zu beeinflussen. Da heißt es wachsam sein und kritisches, also hinterfragendes Denken in der Schule zu fördern. Natürlich hängen das Thema Cybermobbing und Hassrede auch damit zusammen. Wie bei Fake News geht es da um emotional aufgeladene Inhalte und ihre virale Verbreitung bzw. besser Nicht-Verbreitung.

Ein Ziel der Woche der Medienkompetenz ist es, Schulen, (medienpädagogische) Institutionen und Medien zusammenzubringen. Ist dieses Vorhaben deiner Einschätzung nach heuer wieder aufgegangen?

Die Angebote von medienpädagogischen Einrichtungen werden, soweit ich das sehe, von Schulen gerne angenommen. Die Woche der Medienkompetenz kann hier einen wichtigen Beitrag leisten, indem wir zeigen, welche Bandbreite an Angeboten es überhaupt gibt. Eine österreichweite Medienberichterstattung, die wir uns gewünscht hätten, gab es heuer leider nicht. Der KURIER, der im letzten Jahr sehr viel über die Woche der Medienkompetenz und einzelne Projekte berichtet hat, war nicht mehr als Medienpartner dabei.

Dafür gab es, wie gesagt, reichlich Unterstützung durch den oberösterreichischen Presseklub. Auf ORF III wurden zudem preisgekrönte Filmbeiträge des media literacy award [mla] ausgestrahlt. Die APA hat eine kostenlose Presseaussendung ermöglicht und für das nächste Jahr eine weitere Kooperation in Aussicht gestellt. Auch mit dem Verband der Regionalmedien sind wir im Gespräch. Immer mehr Medien werden also auf die Aktionswoche aufmerksam. Aber Pressearbeit braucht natürlich Zeit, und viele Gespräche.

Die Dringlichkeit von Medienkompetenz und Medienbildung kann man auch an der großen Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehen. Wenn alle Pläne aufgehen, wird die Woche der Medienkompetenz auch nächstes Jahr stattfinden. Welches Feedback und welche Reaktionen hast du von teilnehmenden Personen vernommen?

Alle Organisationen, die in den vergangenen Jahren dabei waren, haben ihre Angebote auch heuer wieder eingetragen. Und alle, mit denen ich spreche, halten die Aktionswoche für eine gute Sache. Ein wenig wird unser Aktivitätenkalender wohl dazu beitragen, die TeilnehmerInnenzahl der Veranstaltungen zu erhöhen. Vor allem aber wollen wir ja auf die Bedeutung von Medienkompetenz in all ihren Facetten hinweisen. Das sehen offenbar auch die Veranstalterinnen und Veranstalter so. Ich hoffe sehr, dass es die Woche der Medienkompetenz auch im nächsten Oktober wieder gibt.

Was würdest du dir für die WDMK im nächsten Jahr wünschen?

Wie immer wünsche ich mir mehr Beiträge aus den Bundesländern und mehr Beiträge aus Schulen. Dazu hoffe ich auf die verstärkte Teilnahme von Regionalmedien im nächsten Jahr. Ankündigungen in Regionalzeitungen oder freien Radio- und Fernsehsendern sollten die Bekanntheit der Aktionswoche kräftig steigern, und sowohl Anbieter als auch Schulen anregen, ihre medienpädagogischen Aktivitäten in den Kalender einzutragen oder neue Angebote zu entwickeln. Daraus könnten wieder spannende Projekte entstehen, über die in Regionalmedien berichtet werden kann – also ein Gewinn für alle Beteiligten.

Vielen Dank für das Interview!

Zur Person: Christoph Kaindel ist studierter Historiker und seit 20 Jahren als Medienpädagoge tätig, unter anderem war er pädagogischer Leiter des Vereins Wiener Bildungsserver und Lehrbeauftragter an der Pädagogischen Hochschule Wien. Daneben ist er auch als Grafiker und Cartoonist tätig. Sein Lieblingsthema ist Lernen durch Game Design. Bei mediamanual ist er für die Koordination der Aktionswoche „Woche der Medienkompetenz“ zuständig. Er lebt in Gablitz bei Wien.

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Vom 20. – 28. Oktober 2019 waren Schulen, Lehrpersonen, Schülerinnen und Schüler, Vertreter der Medien, der Wissenschaft und Kunst sowie NGOs und Politik eingeladen, sich aktiv mit eigenen Ideen und lokalen Aktivitäten österreichweit an der Woche der Medienkompetenz zu beteiligen.

Die Woche der Medienkompetenz hatte das Ziel, den Schwerpunkt Medienbildung in den gesellschaftlichen Mittelpunkt zu rücken. Kreative Ideen und kritische Impulse von MediennutzerInnen jeden Alters waren herzlich willkommen! Gemeinsam sollten Chancen und Gefahren im Umgang mit digitalen Medien sichtbar und nachvollziehbar gemacht werden.   

Nächstes Jahr findet die Woche der Medienkompetenz vom 18. – 26. Oktober 2020 statt.

Mehr Infos zur Woche der Medienkompetenz

Das war der media literacy award [mla] 2019

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Letzte Woche hieß es wieder: Bühne frei für Schülerteams, die vor großem Publikum ihre Medienprojekte vorstellten!

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Feierlich eröffnet wurde das dreitägige Festival in Anwesenheit vom Generalsekretär des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) Martin Netzer. Das eingespielte Moderatoren-Duo Florian Danhel und Heidi Neuburger-Dumancic führte durch den abwechslungsreichen Eröffnungsabend, der nicht nur Einblicke in die Vielfalt schulischer Medienprojekte zeigte, sondern auch Gelegenheit bot, Aspekte der Medienkompetenz zu diskutieren.

Die Jurymitglieder des diesjährigen [mla]
Foto: Hans Hochstöger

Die Jury war auch in diesem Jahr wieder mit vollem Eifer dabei. Neben Moderator Florian Danhel die Jurymitglieder (v.l.n.r.):

Nina Grünberger (Koordinatiorin für Medienbildung am Zentrum für Lerntechnologie und Innovation, PH Wien), Konrad Mitschka (stellvertretender Leiter des Public Value Komptenzzentrums im ORF), Markus Weisheitinger-Herrmann (Geschäftsführer sowie Verantwortlicher für Programm und Produktion bei FS 1, Community TV Salzburg) und Sonja Gabriel (Hochschulprofessorin für Mediendidaktik und Medienpädagogik an der KPH Wien/Krems).

Johannes Jäschke von „23 Grad“
Foto: Hans Hochstöger

In der Lecture vom Startup 23 Grad ging es um Datensammlung und -verarbeitung in unserem alltäglichen Leben.

Nina-Sofie Berghammer
Foto: Hans Hochstöger

Als musikalische Show-Acts bereicherten die Violinistin und Loop-Künstlerin Nina-Sofie Berghammer, die Mädchen-Band CHIANA und die Dance Crew JARF – Urban meets Classic den Abend.

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Insgesamt wurden 21 Preise in den Kategorien MEDIENDIDAKTIK, AUDIO, VIDEO, PRINT und MULTIMEDIA & NEUE MEDIEN vergeben.

Über 600 Schülerinnen und Schüler aus ganz Österreich und einigen anderen europäischen Ländern nahmen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern am Festival teil. Die Preisträger-Teams stellten ihre Projekte während der Festivaltage vor. Die Schülerinnen und Schüler brachten auf vielfältigste Weise zum Ausdruck, wie Kreativität und kritisches Denken entstehen können. Die Arbeiten thematisierten neben gesellschaftlichen Themen (Heimat/Zusammenleben/Kommunikation etc.) auch Fragen und Aspekte des digitalen Zeitalters wie z.B. Fake News, Datenverarbeitung und Cyber Mobbing.

Es diskutierten: Konrad Mitschka, Nina Grünberger, Georg Gauß und Petra Missomelius
Moderation: Conny Lee
Foto: Hans Hochstöger
Foto: Hans Hochstöger

Im Rahmen der diesjährigen Fachtagung debattierten die Panelteilnehmerinnen und -teilnehmer, wie eine Gesellschaft zu gemeinsamen Werten kommt. Dabei wurde erörtert, welche ethischen Fragen wir uns im Zusammenhang mit dem Zugang und der Verwendung von Informationen heute stellen müssen. In seiner Keynote stellte Konrad Mitschka (ORF) u.a. die Frage, was passiert, „wenn die Meinungsbildung der Menschen nicht mehr von einem demokratisch geregelten, öffentlichen Diskurs, sondern von unüberprüfbaren Algorithmen und intransparenten Strategien globaler, kommerzieller Geschäftsmodelle gelenkt und von medialer Empörungsbewirtschaftung befeuert wird?“

Anhand praktischer Beispiele aus dem Schulalltag diskutierten Lehrpersonen, unter welchen Bedingungen Medienprojekte gelingen können, welche Faktoren einen positiven Einfluss auf den Lernprozess haben und was man im Internetzeitalter wissen und können sollte.

Das Theaterhaus für junges Publikum – Dschungel Wien
Foto: Hans Hochstöger

Wir gratulieren allen Preisträgerinnen und Preisträgern sehr herzlich zu ihren Auszeichnungen! Allen Lehrerinnen und Lehrern danken wir dafür, dass sie ihre Teams dabei unterstützt haben, die Projekte durchzuführen!

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Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr – der media literacy award [mla] geht dann in die 20. Runde!

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Mehr nachzulesen ist auf unserem INSTAGRAM Kanal #wdmk19 facebook und Twitter!

Das Programm zur Fachtagung: https://www.mediamanual.at/fileadmin/user_upload/Programm_Fachtagung_2019.pdf

Hier sind alle Preisträger zu finden: https://www.mediamanual.at/best-practice/

Woche der Medienkompetenz 2019

Die Aktionswoche findet heuer von 20. bis 28. Oktober 2019 statt und führt Schulen, Bildungsangebote und Medien zusammen

Die Woche der Medienkompetenz ist eine Initiative von mediamanual.at im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Es gibt eine breite Palette von Möglichkeiten, sich mit dem Thema Medienbildung zu beschäftigen. Die Aktionswoche ist offen für alle. Im Veranstaltungskalender sind über hundert Aktivitäten in ganz Österreich zu finden.


Fachtagung Medienbildung am 24. Oktober in Wien
Was macht die Digitalisierung mit uns und unserem Leben? Wie können wir in der Vielzahl an Informationen Orientierung finden? Welche ethischen Fragen, im Zusammenhang mit dem Zugang und der Verwendung von Informationen, müssen wir uns heute stellen? In seiner Keynote bei der diesjährigen Fachtagung stellt Konrad Mitschka (Public-Value-Kompetenzzentrum ORF) die Frage: „Was passiert, wenn die Meinungsbildung der Menschen nicht mehr von einem demokratisch geregelten öffentlichen Diskurs, sondern von unüberprüfbaren Algorithmen und intransparenten Strategien globaler, kommerzieller Geschäftsmodelle gelenkt und von medialer Empörungsbewirtschaftung befeuert wird?“


Im Zentrum steht die Preisverleihung der media literacy awards [mla]
Medienkompetenz ist die Fähigkeit, Medien sicher zu nutzen, Medienbotschaften kritisch zu bewerten und Medieninhalte selbst zu produzieren. Der media literacy award [mla] hat das Ziel, Medienkompetenz und Digitale Kompetenz an österreichischen Schulen zu fördern. In diesem Jahr haben sich Schülerinnen und Schüler mit mehr als 500 Medienprojekten aus Österreich und Europa am Wettbewerb beteiligt. Viele der ausgezeichneten Medienprojekte beschäftigen sich mit der eigenen Alltagswelt, die immer mehr medial geprägt ist. Dabei reflektieren Schülerinnen und Schüler Ihre „Ich und Welt“ Erfahrungen. Der verantwortungsvolle Umgang mit Sozialen Medien sowie die kritische Auseinandersetzung mit Themen rund um „Umwelt“ und „Klimawandel“ sind dieses Jahr besonders präsent.


Medienbildung ist unverzichtbar
Mediamanual lädt dazu ein, das Anliegen der Verbreitung und Förderung von Medienkompetenz zu unterstützen. Die Möglichkeiten sind vielfältig: Von einer Ankündigung der Aktionswoche über thematische Beiträge, Führungen durch Redaktionen, Berichte zu Medienaktivitäten in Schulen bis hin zu Vorträgen und Workshops von Journalistinnen und Journalisten in Schulklassen.


Aktionswoche: https://www.mediamanual.at/woche-der-medienkompetenz/
Preisträger: https://www.mediamanual.at/best-practice/
Fachtagung: https://www.mediamanual.at/veranstaltungen/

Hinter den Kulissen: Fakten auf der Spur – die 6C des Gymnasiums Geblergasse in Wien zeigt wie es geht

 

Wie erkennt man „Fake News“ und welche Interessen stecken dahinter? Wie organisiert man eine eigene mediale Kampagne und klärt über Auswirkungen von manipulierten Meldungen auf?

 

Im Rahmen von „Digital Resistance“ (DigiRes) hat sich die 6C des Gymnasiums Geblergasse in Wien mit den Themen rund um Fake News, Desinformation und Manipulation befasst und dazu eigene Medienprojekte erstellt. Das von der EU geförderte Projekt DigiRes wurde initiiert, um im Sinne des Digital Citizenship-Ansatzes den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu bieten, gesellschaftliche Teilhabe auszuüben und durch eine eigenständige Wissensaneignung das selbständige Lernen zu fördern (Interview mit Johanna Urban von DigiRes hier).

 

Ich besuche die 6C, um mehr über die Projekte, die im Rahmen von DigiRes entstanden sind, zu erfahren. Zusammen mit seiner Kollegin Verena Nenning betreut Matthias Leichtfried das fächerübergreifende Projekt (Geschichte und Deutsch). Die Schülerinnen und Schüler haben ihre Arbeiten bereits fertig gestellt. In Kleingruppen realisierten sie insgesamt fünf Videos und ein Comic.

 

Am Tag meines Besuchs wird der „Aktionstag“ geplant. Die Schülerinnen und Schüler haben sich in ihren Gruppen zusammengetan und besprechen den Ablauf ihrer Präsentationen. Am 18. Juni dürfen sie ihre Arbeiten im Rahmen eines Aktionstages vorstellen. Das Besondere dabei ist, dass die 6C ihre Projekte einem jüngeren Publikum präsentiert. Insgesamt neun Klassen aus der Unterstufe (der eigenen Schule und von Schulen im benachbarten Umfeld) werden am Aktionstag ins Gymnasium Geblergasse eingeladen, damit die älteren Schülerinnen und Schüler ihr erworbenes Wissen an die Jüngeren weitergeben.

 

Im Gespräch mit Matthias Leichtfried

 

Matthias Leichtfried / Gymnasium Geblergasse Wien

 

 

„Beim Peer-to-Peer-Teaching findet ein Perspektivenwechsel statt. Die Schülerinnen und Schüler müssen sich selber überlegen, wie sie ihr Wissen aufbereiten und an andere weitergeben. Sie müssen die Inhalte wirklich gut verstehen. Dieser Perspektivenwechsel ist eine wichtige Erfahrung, die im Regelunterricht selten stattfindet.“

 

Matthias Leichtfried ist vom geplanten Wissenstransfer überzeugt. „Beim Peer-to-Peer-Teaching geht es ja nicht nur darum, dass die Schülerinnen und Schüler sich in der Klasse gegenseitig helfen, sondern auch darum, dass Ältere ihr Wissen an Jüngere weitergeben. Ich bin mir sicher, dass meine Klasse sehr stolz darauf sein wird, ihr selbst erworbenes Expertentum an die Jüngeren weiterzureichen. Außerdem findet ja dadurch auch ein Perspektivenwechsel statt. Die präsentierenden Schülerinnen und Schüler müssen sich selber überlegen, wie sie ihr Wissen aufbereiten und wie sie die Ergebnisse vorstellen. Sie merken dann plötzlich, was es heißt, vorne zu stehen und wie eine Lehrperson Inhalte weiterzugeben. Ich glaube, dass dieser Perspektivenwechsel eine sehr wichtige Erfahrung ist, da die Schülerinnen und Schüler die Inhalte wirklich gut verstehen müssen. Im Regelunterricht findet dieser Perspektivenwechsel ja leider meist nicht statt.“

 

Ich mische mich unter die Kleingruppen und lausche mit, was die 15- bis 16-Jährigen bei ihrem Aktionstag so vorhaben. Youssefs Gruppe hat sich mit dem Thema Verschwörungstheorien befasst. In ihrem Video lassen die Jugendlichen einen „YouTuber“ Falschmeldungen zu 9/11 verbreiten. Das Video soll loopartig abgespielt werden „um die Aufmerksamkeit noch mehr zu vergrößern“. Außerdem möchte Youssefs Gruppe im Rahmen ihrer Präsentation mit dem Publikum ein Memory und ein Kahoot spielen. „Diese Spiele müssen wir noch etwas planen, aber wir wollen auch was Interaktives dabeihaben, damit die Jungen was zu tun haben,“ fasst Youssef die Pläne für den großen Tag zusammen.

 

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Hinter den Kulissen des media literacy award

 
Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu, die Jurysitzung hat getagt – in Kürze werden die Klassenteams informiert, wer im Oktober zum media literacy award eingeladen wird. Wir stellen vorab zwei Projekte vor, die uns gut gefallen haben und beim media literacy award eingereicht wurden. Wir wünschen allen einen guten Schulstart!

 

Fakten auf der Spur – das Gymnasium Werndlpark Steyr (OÖ) zeigt wie es geht!

 

Das Schülerteam bei der Erstellung ihres Podcasts

 

Im Rahmen des „Digital Resistance“-Projekts (DigiRes) hat sich eine klassenübergreifende Gruppe des Gymnasiums Werndlpark in Steyr (bestehend aus den Klassen 6A, 6B, 6C und 6D) mit „Fake News“, Desinformation und Manipulation auseinandergesetzt. Passend zum Thema erstellte das Team Podcast-Sendungen. (Diese können hier abgehört werden.) Betreuender Lehrer ist Florian Bachofner-Mayr.

Das von der EU geförderte Projekt DigiRes wurde initiiert, um im Sinne des Digital Citizenship-Ansatzes den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu bieten, gesellschaftliche Teilhabe auszuüben und durch eine eigenständige Wissensaneignung das selbständige Lernen zu fördern. (Ein Interview mit Projektbetreuerin Johanna Urban von der Uni Wien über DigiRes finden Sie hier.).

 

Interview mit Florian Bachofner-Mayr

 

„Das Konzept des forschenden Lernens wird an unserer Schule bereits seit längerem von einzelnen Lehrerinnen und Lehrern umgesetzt. Gerade im Zeitalter zentralisierter und standardisierter Leitungsfeststellungen samt großflächigem ‚teaching for the test‘ ist das ein wichtiger Gegenpol, um selbstständig denkende und arbeitende Jugendliche zu fördern.“

 

Florian Bachofner-Mayr

Lisa Badura: Wie sah der Verlauf eures Podcast-Projektes in groben Zügen aus?

 

Florian Bachofner-Mayr: Die Redaktion, die Aufnahme und die Gestaltung fanden im Rahmen unserer Schwerpunktwoche am Gymnasium Werndlpark in Steyr statt. In dieser Woche treffen sich die Schülerinnen und Schüler unserer Schule in den von ihnen gewählten Oberstufen-Schwerpunkten zu ein- oder mehrtägigen Workshops. In unserem Fall haben alle Schülerinnen und Schüler des Schwerpunkts WELT, der grob die Bereiche Politik, Gesellschaft und Soziales umspannt, an einem zweitägigen Workshop zu „Fake News“ teilgenommen. Nach einem kurzen Input und einigen Beispielen und Übungen wurden sie in Kleingruppen aufgeteilt, die sich anschließend mit unterschiedlichen Aspekten des Themas beschäftigten. Das Ergebnis war jeweils eine Podcast-Folge pro Gruppe, die unter anderem in unserem schuleigenen Tonstudio aufgenommen und anschließend geschnitten wurde. Die Schülerinnen und Schüler erhielten dabei vor allem bei der technischen Arbeit Unterstützung von drei Expertinnen und Experten.

 

Was hat dir am forschenden Lernen und am Peer-to-Peer-Teaching besonders gut gefallen? Gab es schon Erfahrungen mit diesen Ansätzen?

 

Das Konzept des forschenden Lernens wird an unserer Schule bereits seit längerem von einzelnen Lehrerinnen und Lehrern umgesetzt. Seit knapp einem Jahr ist es nun institutionalisiert. Die Arbeit am Projekt war somit für uns ein passendes Beispiel, bei dem wir sowohl unsere Erfahrungen einbringen, als auch neue Erfahrungen sammeln konnten. Für die Schülerinnen und Schüler ist der Ansatz ebenfalls nicht neu, sie arbeiteten schon in der Unterstufe gerne mit diesem Zugang – meistens ohne der konkreten Betitelung. Besonders gut ist dabei die selbstgeleitete Recherche und Gestaltung. Die Schülerinnen und Schüler waren in der Gestaltung des Podcast völlig frei und haben sich nur dort Unterstützung geholt, wo es für sie notwendig erschien. Gerade im Zeitalter zentralisierter und standardisierter Leitungsfeststellungen samt großflächigem „teaching for the test“ ist das ein wichtiger Gegenpol, um selbstständig denkende und arbeitende Jugendliche zu fördern.

 

 

 

 

Was waren für dich besonders erfreuliche Momente und persönliche Highlights während der Projektrealisierung?

 

Überraschend war vor allem die Professionalität, mit der ein Großteil der Kleingruppen an der Umsetzung gearbeitet hat. Die Schülerinnen und Schüler haben sich voll und ganz auf das Thema eingelassen, ohne vorher inhaltlich darauf vorbereitet worden zu sein. So konnte viel kreatives Potential gehoben und auch für die Schülerinnen und Schüler selbst sichtbar gemacht werden – denn oft trauen sie sich so viel „outcome“ gar nicht zu. Besonders begeistert war ich von zwei Schülerinnen, die sich spontan und ohne große Vorbereitung bereiterklärt haben, ein Skype-Interview mit einem Journalisten zu führen. Sie waren dabei so locker, spontan und on point, dass man meinen konnte, sie wären selbst Journalistinnen.

 

Gab es Herausforderungen während des Projekts?

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Wir wünschen schöne Sommerferien und haben passende Lesetipps

 

Büchertipps von der mediamanual-Redaktion


 
In unserem aktuellen Juli-Newsletter stellen wir spannende Bücher vor.

Hier geht’s zum Newsletter.

 

Wir wünschen allen LehrerInnen und SchülerInnen einen schönen Sommer!

Gute Erholung und bis bald!

 

Die mediamanual-Redaktion

 

Last Call: Mitmachen beim media literacy award 2019!

 

 
Die Anmeldefrist für den media literacy award [mla] endet am 15. Juli. Nutzen auch Sie die Möglichkeit und schicken Sie uns Ihre Medienprojekte! Wie reicht man sein Projekt ein? Welche Kategorien gibt es?

Hier gibt’s mehr Infos!

 

 

Vom 23. bis 25. Oktober findet die [mla]- Preisverleihung im Wiener MuseumsQuartier statt. Im Rahmen des dreitägigen Medienfestivals werden wieder jede Menge spannende Projekte präsentiert – inklusive Fachtagung für Lehrerinnen und Lehrer!

Hier gibt’s mehr Infos!

 

 

Save the date: Die Woche der Medienkompetenz: Vom 20. bis 28. Oktober findet österreichweit wieder die „WOCHE DER MEDIENKOMPETENZ“ statt. Ziel der Aktionswoche ist es, das Thema Medienbildung in den gesellschaftlichen Mittelpunkt zu rücken. Wie kann man teilnehmen? Was wird angeboten? Wo finden die Veranstaltungen statt?

Hier gibt’s weitere Infos!

 

Digitale Gegenwehr gefragt – Wie das Projekt „Digital Resistance“ zum kritischen Denken anregt

 
„Fake News“, Desinformationen und zugespitzte Meinungsmache können heutzutage unsere Medienlandschaft beeinflussen. Eine unreflektierte Skepsis gegenüber Medieninhalten wird jedoch zum Problem, wenn Jugendliche sämtliche Informationen in Frage stellen und als Reaktion keinerlei Interesse mehr zeigen, sich mit (politischen) Inhalten überhaupt noch auseinanderzusetzen.

 

Wie kann man junge Menschen ermutigen, sich neugierig und dennoch kritisch mit Medieninhalten zu befassen? Wie fördert man das Demokratieverständnis und ermächtigt junge Menschen, gemäß eines „Digital Citizen“ an politischen und gesellschaftlichen Prozessen teilzuhaben und diese aktiv mitzugestalten?

 

Ein Projekt, das zur aktiven Auseinandersetzung mit Medien einlädt und die Bedeutung von zivilgesellschaftlicher Teilhabe deutlich macht, ist das von Europarat und EU Kommission im Rahmen der Schiene DISCO geförderte Projekt DigiRes (Digital Resistance).
Das Projekt zielt darauf ab, digitale Kompetenzen von SchülerInnen zu stärken und diese zu befähigen, Diskriminierung, Indoktrination und „Fake News“ online zu erkennen und Gegenstrategien zu entwickeln. In insgesamt fünf europäischen Staaten (Deutschland, Griechenland, Italien, Rumänien, Österreich) wurden ausgewählte Schulen eingeladen, am Projekt teilzunehmen. Im Rahmen von Gruppenarbeiten beschäftigten sich die Jugendlichen mit dem Einfluss von (sozialen) Medien auf die Gesellschaft und die Politik, hinterfragten Quellen und dahinterstehende Interessen und vertieften damit ihre Medienkompetenz.

 

Um mehr über DigiRes zu erfahren, treffe ich Johanna Urban, die das Projekt an der Universität Wien inhaltlich betreut und als Ansprechpartnerin für die österreichischen Schulen zur Verfügung steht. (Einblicke in die Schul-Projekte folgen an dieser Stelle in Kürze.)

 

Interview mit Johanna Urban

 

Johanna Urban / Uni Wien (Projektmitarbeiterin von DigiRes) / Foto: Lisa Badura

 

„Das forschende Lernen fördert die eigenen Recherchekompetenzen. Die Schülerinnen und Schüler lernen, Quellen zu identifizieren, sie auf ihre Seriosität hin zu überprüfen und eigene Methoden zu entwickeln, wie sie sich Wissen aneignen.“

 

 

Lisa Badura: Die Universität Wien ist einer der Projektpartner von DigiRes. Ihr betreut LehrerInnen und SchülerInnen zweier Schulen, die an DigiRes teilgenommen haben und damit die beiden Partnerschulen in Österreich sind: zum einen das Gymnasium Geblergasse in Wien und zum anderen das Gymnasium Werndlpark in Steyr (OÖ). Wie kam es dazu, dass die Uni Wien (Zentrum für LehrerInnenbildung, Arbeitsbereich Didaktik der Politischen Bildung) ein Projektpartner wurde und somit die Ziele von DigiRes in Österreich voran treiben kann?

 

Johanna Urban: Unsere Abteilung für „Didaktik der Politischen Bildung“ ist recht neu, es gibt uns erst seit 2017. Einer unserer inhaltlichen Schwerpunkte liegt im Bereich Digital Citizenship Education. Wir haben uns daher gemeinsam mit den Projektpartnern aus den anderen Ländern dazu entschlossen, im Rahmen der Förderschiene von Europarat und EU Kommission einzureichen. Wir hatten Glück – unser Projektvorhaben wurde bewilligt. Wir fanden zwei Schulen, denen die Förderung von Medienkompetenz und im konkreten Fall die Auseinandersetzung mit dem Thema „Falschmeldungen“ ein wichtiges Anliegen ist. Diese beiden Schulen hatten somit ein großes Interesse von sich aus, am Projekt mitzuwirken.

 

Wie sah der Projektverlauf am Gymnasium Geblergasse in groben Zügen aus?

 

Am Gymnasium Geblergasse planten wir gemeinsam mit den LehrerInnen Matthias Leichtfried und Verena Nenning die fächerübergreifende Durchführung (Deutsch und Geschichte) des Projektes. Die tatsächliche Umsetzung startete mit einem Kick-Off im Dezember. Im Rahmen des Kick-Offs klopften wir das Vorwissen der SchülerInnen ab und präsentierten Überthemen, mit denen sich die Schülerinnen und Schüler während der Projektphase befassen konnten. Die Themenfelder lauteten z.B. „Fake News in der Geschichte“, „audiovisuelle Manipulation“ oder „Journalismus und Fake News“. In Kleingruppen begannen die Schülerinnen und Schüler dann, an ihren entsprechenden Fragestellungen zu arbeiten und zu überlegen, wie sie die Themen medial umsetzen könnten. Im März folgte ein zweitägiger Workshop an der Schule, bei dem wir mit Marlene Maier und Michael Simku, zwei externe KunstvermittlerInnen bzw. MedienpädagogInnen, zur Unterstützung dabei hatten. Diese führten in das Thema der technischen Umsetzung ein. Da sich auf Schülerseite ein verstärktes Interesse für die Videoproduktion zeigte, halfen sie bei der Umsetzung der Videos. Im Gymnasium Werndlpark in Steyr hingegen erstellten wir gemeinsam mit dem Lehrer Florian Bachofner-Mayr, unseren ExpertInnen und den SchülerInnen einen Podcast. Außerdem wird im Moment auch noch an einer Quiz-App zum Thema „Fake News“ gearbeitet.

 

Welche Methoden liegen den Projektrealisierungen zugrunde?

 

Uns waren zwei Ansätze wichtig: zum einen das forschende Lernen, zum anderen der Peer-Ansatz. Beim forschenden Lernen handelt es sich um einen ergebnisoffenen, dynamischen Prozess. Welches Ergebnis am Ende des Forschungsprozesses der Schülerinnen und Schüler steht, ist zu Beginn also noch weitgehend unklar. Die Rolle der Lehrperson kann sehr unterschiedlich sein. Im Grunde steht sie eher begleitend zur Seite und gibt nur Hilfestellungen. Das forschende Lernen fördert daher vor allem die eigenen Recherchekompetenzen. Die Schülerinnen und Schüler lernen, Quellen zu identifizieren, Quellen auf ihre Seriosität hin zu überprüfen und eigene Methoden zu entwickeln, wie sie sich Wissen aneignen. Die Inhalte werden somit selbst zusammengetragen und bilden gleichzeitig die Grundlage für die bereits oben erwähnten Medienprojekte, mit denen die Schülerinnen und Schüler ihr Wissen an die KollegInnen der Klasse und darüber hinaus im Projekt weitergeben. Diese Vorgehensweise ist auch eine gute Übung für das vorwissenschaftliche Arbeiten am Gymnasium.
Beim Peer-Ansatz in unserem Projekt geht es nicht nur darum, dass die Schülerinnen und Schüler sich gegenseitig unterstützen und voneinander lernen, sondern ihre Ergebnisse auch jüngeren SchülerInnengruppen vorstellen. Am Gymnasium Geblergasse findet daher am 18.6. ein Aktionstag mit kurzen Workshops zum Thema „Fake News“ für die Unterstufe statt. Die 6C wird dann ihre entstandenen Medienprojekte auf großer Bühne einem jüngeren Publikum präsentieren und ihr Wissen so weitergeben. Ein weiterer Aktionstag für Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Schulen ist für September in Steyr geplant.

 

Die Projekte der Schülerinnen und Schüler sind schon realisiert, die Aktionstage in Wien und Steyr stehen bald an – DigiRes neigt sich damit dem Ende zu. Gibt es eine Fortsetzung oder Nachbearbeitung des EU-Projekts?

 

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Feingefühl gefragt – Ethik im Journalismus – Interview mit Beate Haselmayer (ORF)

 
Viele Medien lenken ihren Schwerpunkt vor allem auf die Zurschaustellung von Emotionen und sensationsgeladene Informationen. Vor allem Social Media Kanäle leben von der Schnelllebigkeit schlagzeilengetriebener Nachrichten und missachten mitunter Persönlichkeitsrechte und die Wahrung des Pressekodex’.

Wir wollen der Frage nachgehen, was Ethik im Journalismus bedeutet und wie man Medieninhalte aufbereitet, ohne die betroffenen Personen in ihren Persönlichkeitsrechten zu verletzen.

 

Gerade bei sozial heiklen Themen ist ethisches Gespür gefragt. Wie sehr darf man sich einem Menschen mit der Kamera nähern? Ihn in seiner Wohnung und Intimsphäre zeigen? Zur Erzählung von Lebensumständen und persönlichen Schicksalsschlägen ermutigen? Wie berichtet man über persönliche Missstände, ohne die Menschenwürde zu verletzen?

Kurzum, was bedeutet es, journalistisch verantwortungsvoll zu handeln?

 

Eine Journalistin, die mit der Gestaltung von Sozialreportagen betraut ist und sich dabei immer wieder mit der ethischen Dimension von Medieninhalten befasst, ist Beate Haselmayer. Sie ist Journalistin und arbeitet als Reporterin bei „Am Schauplatz“ (ORF). Im Fokus der wöchentlich erscheinenden Sendereihe stehen die Lebensumstände von Menschen, die von Armut, herausfordernden Ereignissen und Isolation betroffen sind. In ihren Reportagen beleuchtet Beate Haselmayer soziale Missstände und wie Betroffene das Sozialsystem in Österreich erleben.

 

Ich treffe Beate Haselmayer in ihrem Stammlokal (Café Weimar), im 9. Wiener Gemeindebezirk.

Mich interessiert vor allem, wie sie bei ihren Recherchen vorgeht, was für sie Ethik im Journalismus bedeutet und wie man medienkritisches Denken schon in der Schule fördern kann.

 

Ein Gespräch mit Beate Haselmayer 

 

Beate Haselmayer im Café Weimar (Foto: Lisa Badura)

 

„Mich interessiert, worin die Ressourcen von Menschen bestehen. Diese möchte ich aufzeigen, da man aus den Lebensgeschichten von Menschen sehr viel lernen kann.“

 

 

Die Frage nach „Inszenierung“ und „Realität“

 

Lisa Badura: Immer wieder hört man, dass Reportagen zum Teil inszeniert sind. Protagonistinnen und Protagonisten werden ermutigt, bestimmte Handlungen auszuführen, die sich gut in eine Geschichte einfügen, die aber nicht von ihnen selbst kommen. Viele Sender arbeiten auch mit „Sripted Reality“, also mit der zugrundeliegenden Methode, Regieanweisungen und Aussagen der handelnden Personen vorzugegeben. Man führt damit die Betroffenen vor, ohne ihnen eine eigene Stimme zu geben. Wie geht ihr bei „Am Schauplatz“ mit dem Thema um? Wie viel „Realität“ darf überhaupt sein?

 

Beate Haselmayer: Als Reporterin versuche ich, so viel Realität wie möglich einzufangen. Gemeinsam mit meinem Kamerateam will ich Situationen dokumentieren, die auch ohne uns stattfinden würden. Wir beobachten Geschehnisse. Wir greifen nicht ein. Scripted Reality und vorgegebene Sätze sind genau das Gegenteil von dem, was wir wollen: das Leben, ganz so wie es ist, darstellen.

Im Unterschied zu den klassischen Nachrichtensendungen, die Politikerinnen und Politiker interviewen, haben wir es oft mit Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu tun. Zum Beispiel mit Obdachlosen, Flüchtlingen oder Menschen, die sich in ungewollten Lebenssituationen befinden. Es geht bei uns um die Hintergründe dieser Situationen und Lebensgeschichten.

Nach den entsprechenden Recherchen zu einem bestimmten Thema und dem Auffinden passender Protagonistinnen und Protagonisten ist es üblicherweise so, dass wir telefonische oder persönliche Vorgespräche mit den Personen führen. Uns ist wichtig, die Betroffenen vor den Drehs erst einmal kennenzulernen und eine Vertrauensbasis zu entwickeln. Außerdem versuchen wir schon im Vorfeld abzuklären, was beispielsweise tägliche Routinen sind und wo sich der Protagonist oder die Protagonistin gerne aufhält. Wenn jemand etwa erzählt, dass er oder sie auf Einkäufe im Sozialmarkt angewiesen ist, schlagen wir vor, ihn oder sie bei einem Einkauf zu begleiten. Insofern ist bei uns nichts inszeniert. Nur der Zeitpunkt bestimmter Handlungen kann Drehplantechnisch bedingt abgemacht sein. Die Vorgespräche dienen also dazu, einen Drehplan zu entwickeln und abzuklären, welche Themen überhaupt angesprochen werden dürfen. Wichtig ist uns vor allem Authentizität. Keine der Handlungen vor der Kamera sind unsere Anweisungen oder unsere Ideen.

Oft ist es auch möglich, dass wir Menschen ohne genauen Drehplan mit der Kamera begleiten, weil sich aus der Situation heraus authentische Handlungen ergeben, beispielsweise wenn wir mit Sanitäterinnen und Sanitätern unterwegs sind oder Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern. Dann schauen wir einfach beim Dreh, was passiert. Auch spontane Interviews auf der Straße sind bei uns üblich. Wir klären immer vorher mit den Interviewpartnerinnen und -partnern ab, wofür das Material gedreht wird, wo es gesendet wird und klären auf, dass jede Aussage natürlich freiwillig ist.

 

 

Persönlichkeitsrechte und Schaulust

 

Lisa Badura: Wie wahrt man die Persönlichkeitsrechte und die Integrität trotz „Zurschaustellung“ einer Person? Wann muss man als Journalistin oder Journalist wissen, dass die Kamera besser ausmacht wird bzw. man diese vielleicht gar nicht erst anschaltet?

 

Beate Haselmayer: Bei unseren Vorgesprächen – mit Menschen in sehr schwierigen Situationen besprechen wir meist vorher, wie das Interview ablaufen wird – klären wir heikle Themen, die nicht vor der Kamera besprochen werden sollen, immer ab. Wenn wir beispielsweise mit einem Gewaltopfer reden, ist es nicht unser Ziel, bis ins letzte Detail nachzubohren, wann und wie die Gewalt erfahren wurde, sondern eher zu zeigen, wie diese Person hier und heute lebt, mit ihrem Schicksal umgeht und wie sich die Lebensumstände verändert haben. Ich merke immer wieder, dass einige Menschen die Chance nutzen wollen, vor der Kamera ihre Stimme zu erheben und ihre Perspektive darzulegen.

Das ist es auch, was mich an meiner Arbeit antreibt. Mich interessieren Menschen. Jeder Mensch hat Ressourcen. Und mich interessiert, worin diese Ressourcen bestehen. Wie machen Menschen das Beste aus ihrer Situation? Wie gehen sie mit ihrem Schicksal um? Man kann aus den Lebensgeschichten anderer Menschen sehr viel lernen.

 

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Crossing Europe – YAAAS! COMPETITON

 

 

YAAAS! zu rufen bedeutet euphorisch „JA!“ zu sagen. Das Crossing Europe Filmfestival, das seit nunmehr 16 Jahren in Linz stattfindet, hat „Ja!“ zu einer neuen Jugendschiene gesagt und somit eine vierte Wettbewerbssektion dazubekommen, die sich speziell an junges Publikum richtet.

 

Das ganzheitliche Angebot an Filmvermittlung, Erwerb von Medienkompetenz und einer Vielzahl an Workshops richtet sich an Jugendliche von 15 bis 20 Jahren, die so auch die Chance erhalten, sich mit internationalen Medienprofis auszutauschen, zu diskutieren und eigene Produktionen zu schaffen.

 

Wir waren dort, haben das vielfältige Angebot miterlebt und waren beeindruckt.

 

Ein Beitrag von Renate Holubek und Angelika Fürst.

 

 

 

Interview mit Robert Hinterleitner, dem Leiter der YAAAS! Jugendschiene:

 

Wir sind hier in einem der Workshop-Räume, kannst du uns zu Beginn erzählen, welchen Ansatz ihr mit eurem Workshop-Konzept verfolgt?

 

Robert Hinterleitner: Bei den Videoworkshops gibt es insgesamt drei Gruppen, mit jeweils einem Mentor oder einer Mentorin. Wir nennen die Workshopleiterinnen und Workshopleiter  „Mentorinnen“ und „Mentoren“, weil diese nicht in die Arbeit der Jugendlichen eingreifen, sondern die jeweils acht Schülerinnen und Schüler lediglich bei ihrer Arbeit unterstützen. Die Schülerinnen und Schüler kommen aus verschiedenen Schulen und haben unterschiedliche Vorkenntnisse. Es geht hier nicht um Wettbewerb, sondern um den Schaffensprozess und um die Möglichkeit, sich in Fachgebieten wie Kamera, Schauspiel, Ausstattung, Sound und Licht weiterzubilden.

 

Wie bist du auf die Idee gekommen, die „YAAAS!“ Jugendschiene ins Leben zu rufen?

 

Ich bin ja schon einige Jahre auf Jugendfestivals unterwegs (u.a. media literacy award [mla] oder Camera Zizanio in Griechenland) und es war mein Wunsch, neben meiner Tätigkeit in der Schule (Anm.: HBLA für Künstlerische Gestaltung Linz) auch nach draußen zu gehen. Ich bin schon lange bei Crossing Europe dabei und schätze das Festival sehr, besonders weil hier sehr auf gute Kontakte geschaut wird. Dementsprechend entstand die Idee, entweder ein selbstständiges Festival im Bereich Schul- oder Jugendfilm zu gründen oder eine Kooperation mit dem Crossing Europe einzugehen. Und bereits von Beginn an war zudem die Kernidee einer Produktionsschiene vorhanden, in der Schülerinnen und Schüler selbst Videos in gemischten Teams produzieren sollten.

Die Erweiterung des Festivals im Jugendbereich hat Christine Dollhofer, der Leiterin von Crossing Europe, gut gefallen und so konnten wir das gesamte Know-how des Festivals nutzen, was die Organisation für uns enorm erleichtert hat.

 

Ein wesentlicher Teil der YAAAS! Jugendschiene ist das sogenannte „Young Programmers“-Format. Wie funktioniert das?

 

Jugendliche werden von uns eingeladen als KuratorInnen, also als Young Programmers, tätig zu sein. Das heißt wir legen den Jugendlichen eine größere Auswahl an Filmen vor, wo wir meinen, dass diese für ein jugendliches Publikum interessant sind.

Im konkreten Fall wurden fünfzehn Filme von den Young Programmers angesehen – sechs davon haben sie für die Jugendschiene ausgewählt — allesamt Filme, die besonders für das Jugendalter passend sind. In speziellen Schulfilmvorführungen präsentieren die Young Programmers dann diese Filme und moderieren die anschließenden Gespräche mit den Filmgästen auf der Bühne. Die zentrale Idee ist, die Profis direkt mit den Jugendlichen zusammenzubringen.

 

Ein anderes Format von YAAAS! nennt sich „Face-To-Face“. Kannst du erklären worum es dabei genau geht?

 

„Face-To-Face“ bietet Jugendlichen die Möglichkeit, direkt mit Filmprofis aus dem In- und Ausland ins Gespräch zu kommen. In Form von „Speed Dates“ sitzen die Jugendlichen einer Reihe von Profis gegenüber, die aus unterschiedlichsten Bereichen kommen. Wir versuchen dabei ein breites Spektrum anzubieten, u.a. Schauspiel, Regie, Produktion, Festivalleitung bis hin zu Filmkritik. In Gruppen von bis zu drei Personen können die Jugendlichen innerhalb von 15 Minuten alle Fragen stellen, die ihnen einfallen. Dann wird gewechselt.

 

Haben sich die Schülerinnen und Schüler auf die Gespräche vorbereitet?

 

Mehr oder weniger: Manche bereiten sich besser vor, andere weniger — so wie es in der Schule eben ist. Uns war es jedenfalls wichtig, das Setting im Vorfeld zu vermitteln, die Gäste vorab vorzustellen und Schulmaterialien zu den Filmen zur Verfügung zu stellen.

(Hier finden Sie das Programm der Film-Screenings und die erwähnten Schulmaterialien.)

 

Wir waren erstaunt, dass der Ursulinensaal, in dem wir am Vormittag den Film „Schwimmen“  von Luzie Loose gesehen haben, randvoll mit Schülerinnen und Schülern und ihren Lehrerkräften war. Wie viele Personen fasst er?

 

Wir hatten heute 294 Personen in der Vorstellung.

 

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