Das Printprojekt: Die Begegnung mit dem anderen Ich

 

Wie man Fotos manipulieren kann, wissen die SchülerInnen der Klasse 6c nun ganz genau. Im Fach Mediendesign erstellten sie Fotoarbeiten, auf denen sie sich in gegensätzlichen Persönlichkeitszuständen inszenierten und so ganz unterschiedliche Seiten von sich zeigten.

 

 

Elke Hackl ist froh, dass es ihr gelungen ist, das Fach Mediendesign am BORG Bad Leonfelden (OÖ) als Unterrichtsgegenstand zu etablieren. Um ihren SchülerInnen vermitteln zu können, dass „die Welt manipuliert ist, müssen sie lernen, selber zu manipulieren, und das geht am besten über die praktische Medienarbeit. Denn die trockene Analyse funktioniert nicht“, so die Lehrerin.

 

Im Rahmen des Projekts „Die Begegnung mit dem anderen Ich“ kreierten die SchülerInnen Fotoarbeiten, für die sie sich in zwei unterschiedliche Positionen begaben und sich dann fotografieren ließen. Um als wahre DoppelgängerInnen durchzugehen, mussten sie sich mit dem Grafikprogramm Photoshop vertraut machen und diese zwei Aufnahmen in einem einzigen Bild vereinen.

 

Das Ergebnis sind Bilder, die das Lebensgefühl vieler Jugendlicher thematisieren und unter Titeln wie beispielsweise „No Future – zukunftsorientiert“, „gefangen – frei“ oder „öko – verschwenderisch“ veröffentlicht wurden.

 

Die Teammitglieder wurden für ihre Kreativität belohnt. Ihre Arbeiten wurden nicht nur bei einer Ausstellung im Landesschulrat für Oberösterreich präsentiert, sondern wurden auch vom Oberösterreichischen Kulturquartier und beim [mla] 2012 ausgezeichnet.

 

Bei unserem Besuch im BORG Bad Leonfelden sprachen wir mit dem Projektteam!

 

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Video-Link: http://www.youtube.com/watch?v=T3BTix-6Ec8

 

 

 

FACTS:

Teilnehmerzahl: 16 SchülerInnen

Projektzeitraum: April bis Juni 2012

Alter der SchülerInnen: 14-16 Jahre

Klasse: 5C

Projektdauer: ca. 30 Unterrichtseinheiten

Verwendete Software: Photoshop

Seit dem Schuljahr 2005/06 gibt es den Gegenstand „Mediendesign“ am BORG Bad Leonfelden.

 

 

FACTS zur UMSETZUNG:

 

Mit Hinblick auf die Romane „Mein Doppelgänger und ich“ von Luciano De Crescenzo und „Der Doppelgänger“ von Fjodor Dostojewski fragte sich die Gruppe, was geschähe, würde man sich selbst begegnen. Würde man sich freuen? Sich ärgern? Angst bekommen?

Die Gruppe sammelte komplementäre Zustände des Seins – wie z. B. jung/alt, mädchenhaft/jungenhaft, sportlich/faul – und jede Schülerin, jeder Schüler suchte sich ein Zustandspaar aus.

Inspiration suchten die SchülerInnen in der bildenden Kunst, in der Popkultur, der Werbung und der Medienkultur (wie z. B. im Musikvideo „Where the wild roses grow“ von Nick Cave und Kylie Minogue oder im Film „The Island“ von Michael Bay).

 

Folgende Kriterien sollte das Projektteam bei der Realisierung  der Fotografien beachten:

Beide „Ichs“ mussten sich begegnen können, d. h. sie mussten sich im selben Raum befinden und sich ansehen oder angreifen. Eine sehr genaue Kameraarbeit (mit Stativ) war notwendig, um ähnliche Perspektiven zu gewährleisten. Im Grafikprogramm Photoshop verwendeten die SchülerInnen verschiedene Ebenen/Folien. Das ermöglichte ihnen, übereinander liegende Bildelemente in einem Bild zu vereinen.

 

 

 

Warum realisieren Sie mit Leidenschaft Medienprojekte mit Ihren SchülerInnen?

 

 

Weil ich in meiner Ausbildung damit konfrontiert war, dass der Computer als Medium im Unterricht als Werkzeugersatz verwendet werden sollte und man ihn nicht als eigenes Werkzeug anerkennen wollte. Der schon überholte Begriff „Neue Medien“ erschien mir viel weiter als der Bereich, in dem ich ihn anwenden durfte (Kunsterziehung).

Weiters war ich mit viel Halbwissen um die Grundlagen des Computereinsatzes konfrontiert und habe einige Zeit gebraucht, die wirklich zielführenden Wissensvermittler zu finden.

Mir kommt es darauf an, dass die Jugendlichen Urheberrechte als schützenswert erachten, sich virtueller Plattformen bedienen können, ohne von ihnen vereinnahmt zu werden und die gehaltvollen Inhalte im Internet erkennen.

Vereinfacht betrachtet bedeutet dies verknüpftes Denken, im weiteren Sinn Schnittstellen schaffen. Diese Interfaces sind für die Schule als System immens wichtig, da wir auch über diese Schnittstellen in der Pädagogik fachunabhängig kommunizieren können. (Projektorientierung)

In weiterer Betrachtung ist die Schule ein Teil des Gesamtsystems Bildung, das ebenso aufgesplittet analysiert werden sollte und mich somit mit anderen Bereichen kommunizieren lässt und mein Tun mit einem höheren Lehrziel verknüpft, das heißen kann: Ich bin Teil einer Gesellschaft, für die das, was ich kann, bedeutsam ist.

 

Welche Tipps haben Sie für KollegInnen?

• Kompetenzen in den Vordergrund der Planung stellen, wobei die Lernziele als die überprüfbaren Parameter des Unterrichts sowieso mit eingebunden sind.

 

• Keine Angst davor haben, dass SchülerInnen mehr wissen und können als die Lehrperson, schließlich bewegen wir uns auf noch nicht ausgetretenen Pfaden und dieser Umstand hilft, wenn ich kompetenzorientiert denke. „Ich kann nicht alles können!“ ist schwierig auszusprechen für uns PädagogInnen 😉 Es ist auch mal großartig zu sehen, wie toll SchülerInnen einer (gestandenen) Lehrkraft sachkompetent eine App erklären können!

 

• Erkennen, dass nachhaltiges Lernen auch damit zu tun hat, Inhalte über andere Medien zu bearbeiten: Basierend auf der alten Idee der Reformpädagogen, dass Körper und Geist aktiv sein müssen, kombiniert mit den „neuen“ Werkzeugen, Sprachen und Trägermaterialien, entsteht Nachhaltigkeit im verknüpften Denken. Dies bedingt aber Raum und Zeit, die wir den SchülerInnen geben müssen dürfen.

 

• Die eigene Mediengeschichte analytisch betrachten: Mit welchen Medien bin ich aufgewachsen? Wie hat meine Umwelt auf meinen Mediengebrauch reagiert? Wie bin ich mit Kritik umgegangen? Welche Systeme, Strategien im Umgang mit Medien habe ich eigenständig entwickelt? Wo und wie war und bin ich innerhalb der Neuen Medien und der digitalen Welt verortet? Auf diese Analyse aufbauend kann ich für solche Projekte eine ganz neue Lehrerrolle entwickeln. Das hilft, authentisch zu bleiben.

 

• Experimentell denken dürfen: Nicht das Produkt zählt, sondern der Prozess! Was auch bedeutet, dass wir MedienpädagogInnen uns nicht untereinander messen sollen, sondern transparent bleiben müssen: Veröffentlicht die Projekte der SchülerInnen der mutigen und begabten Jugendlichen wegen!

 

Hier finden Sie alle Arbeiten der Projektgruppe

 

 

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