Das Print-Projekt: DER DIGITALE MENSCH

 

Der Mensch gefangen im digitalen Netz! Oder ist er in Wirklichkeit doch eher Akteur?

 

Eine ausdrucksstarke Auseinandersetzung zu diesem Thema bieten die Schülerinnen und Schüler des BORG Bad Leonfelden (OÖ), die mit Unterstützung ihres Lehrers Wolfgang Hoffelner Fotografien erstellten und diese in einem Katalog herausgaben.

 

Titel: GANZ FÜR MICH. Die Welt um mich herum ist schnell, spannend und voller Erlebnisse, für mich aber von keinem Interesse. Meine Welt ist hier drin. (Lena Leitenbauer)

 

Welchen Einfluss hat die digitale Umwelt auf uns? Wie nutzen wir sie? Und woran orientieren wir uns? Versehen sind die in Schwarz-Weiß gehaltenen Arbeiten mit Titeln und dazugehörigen Fragen und Statements, welche die SchülerInnen für ihre Fotografien gewählt haben. Plakative Redewendungen werden ironisch verarbeitet. Und Lebenspraktiken, die im Vakuum zwischen Realität und virtueller Welt angesiedelt sind, werden pointiert visualisiert. Es entfaltet sich ein Stimmungsbild zwischen technischer Begeisterung und Skepsis, zwischen Aktionismus und Nachdenklichkeit.

 

Aber wie druckt und publiziert man eigentlich ein selbst erstelltes Printprojekt? Und wie organisiert man den Vertrieb? Denn schließlich möchte man seine eigene Arbeit einem größtmöglichen Publikum auch außerhalb der Schule zugänglich machen. Wie die Klasse dieses Unterfangen gemeistert hat, zeigt dieses Projekt zweifelsfrei – schauen Sie selbst hin!

 

 

Akteur oder Getriebener?

„Der digitale Mensch“ bietet eine aus 16 Arbeiten bestehende Fotostrecke, in der sich SchülerInnen inmitten ihrer medial geprägten Umwelt ausdrucksstark inszenieren. Fragen über unsere Gewohnheiten und Gegenwart werden aufgebracht und vor allem eingefordert. Die Bilder offenbaren nicht nur die Suche nach Freundschaft und Partnerschaft im Social Web, sondern vor allem die Suche nach sich selbst.

 

In der Rolle von Akteurinnen und Akteuren, von Spielerinnen und Spielern und von Vernetzerinnen und Vernetzern, fordern die SchülerInnen ihre Umwelt listig und selbstbewusst heraus. Mitunter inszenieren sie sich aber auch als Getriebene. Denn was bietet uns eigentlich Orientierung inmitten unserer digital vernetzten Welt?

 

Wolfgang Hoffelner, der als Projektleiter das fotografische Arbeiten begleitet hat, erklärt die zugrunde liegende Idee:

„Das Projekt entstand aus dem Wunsch der SchülerInnen heraus, mit Fotografie zu arbeiten. Da ich diese Klasse nicht nur in musisch-kreativen Fächern, sondern auch in Informatik betreute, erschien mir der Brückenschlag sehr naheliegend, hier ihren oft unreflektierten Umgang mit neuen Medien näher zu beleuchten.“

 

Wie sah der Projektverlauf konkret aus?

„Die Idee, sich mit seinem digitalen Umfeld auseinanderzusetzen, fand bei den SchülerInnen breite Zustimmung. Wir teilten unsere wöchentlichen Doppelstunden so auf, dass bei jedem Termin zwei SchülerInnen ihre Ideen umsetzen konnten. Dafür mussten sie sich selbst im Vorfeld um Requisiten, die Location und die Einteilung eventuell nötiger Statisten kümmern. Dies hat in der Regel ganz gut geklappt. Die nicht involvierten SchülerInnen schlossen sich den agierenden Gruppen an und ergänzten eigene Ideen oder halfen bei der Beleuchtung, den Aufnahmen oder Ähnlichem. So entstand kaum Leerlauf.“

 

Wie lang wurde am Projekt gearbeitet?

„Für die Umsetzung des Projekts haben wir den Zeitraum zwischen Schulanfang und Weihnachten gewählt. Nach Weihnachten konnten einige Bilder noch digital verfeinert werden. Aus Zeit- und Raumgründen war dies aber leider nicht in dem Umfang möglich, wie ich es mir vorgestellt hatte. Dennoch kann sich das Ergebnis absolut sehen lassen und es freut mich sehr, dass jede Schülerin und jeder Schüler eine eigene Idee entwickelt und umgesetzt hat!“

 

Gibt es Ideen für weitere Projekte?

„Heuer machen wir ein ähnliches Projekt, bei dem die SchülerInnen mitunter auch mit ihren Handys fotografieren.“

 

Handys oder Fotoapparate zücken!

Das Projekt hat nicht nur gezeigt, wie vielfältig und kreativ Themen inszeniert und visualisiert werden können, sondern auch, wie gezielt unser eigener Blick dabei herausgefordert wird. Warum also nicht einfach die Linse schärfen und zusammen mit SchülerInnen das große Repertoire an heutigen Aufnahmemöglichkeiten ausschöpfen, um das in Szene zu setzen, was sie bewegt?!

 

TECHNISCHE FACTS und VERTRIEB:

– Gearbeitet wurde mit einer Spiegelreflexkamera der Schule.

– Einige Bilder wurden nachbearbeitet. Eine ursprünglich geplante ausführliche Photoshop-Einführung war aus Zeit- und Raumgründen nicht möglich.

– Der finanzielle Aufwand für die Publikation war nicht hoch. Die Klasse hat die Bücher zu einem günstigen Preis bei Books on Demand (www.bod.de) drucken lassen. Ihr persönliches Exemplar haben die SchülerInnen selbst bezahlt. Außerdem hat die Klasse die Möglichkeit genutzt, den Katalog über Books on Demand in den Handel zu bringen. Hierfür muss man sich auf fünf Jahre binden und pro Monat knapp zwei Euro zahlen.

– Der Katalog ist im Buchhandel erhältlich (ISBN: 978-3-8423-4981-0, Euro 9,90).

– Borg Leonfelden: http://www.borgleon.at

 

Titel: All IN. Keine Gefühlsregung ist zu sehen. Nicht ein Anflug von Unsicherheit. Der zockt uns ab! (Jana Koblmiller)

 

 

 

Titel: VIRTUAL REALITY. Die neue Chatbekanntschaft, die ich neulich gemacht habe ist ein wahrer Traum und sieht so wahnsinnig gut aus! (Maria Rechberger)

 

 

Titel: LIFE ON SCREEN. Und meine Eltern haben sich immer Sorgen gemacht, dass ich, wenn ich so weitermache, einmal viereckige Augen bekomme! So ein Blödsinn! (Judith Wittinghofer)

 

 

Titel: LIQUID CRYSTAL PRISON. Eine Wand aus Glas? Was mache ich hier drinnen? Und warum bist du da draußen? Willst du auch hier rein? (Theresa Awad)

 

 

 

Titel: GEFANGEN IM NETZ. Ich habe mich verfangen in einem Spinnennetz geformt aus Kabeln. Gibt es einen Ausweg? Suche ich ihn überhaupt? (Simone Gangl)

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